Grabung im Mittelschiff © gerhard.fleischer - augenmass@me.com

Schicht um Schicht

12 Jahre archäologische Ausgrabung im Alten Dom

2013 stieß man beim Renovieren auf alte Mauern und unterschiedliche Bodenschichten. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) entschied sich dafür, der Geschichte auf den Grund zu gehen: Die Kirche wurde statisch gesichert. Das ermöglichte eine baubegleitende Forschung.

Zwölf Jahre lang hat ein Team von Archäologen von 2013 bis 2025 umfangreiche Grabungen im Alten Dom vorgenommen. Mitarbeiter des renommierten Instituts für Bauforschung und Dokumentation in Marburg haben unter der Leitung des bekannten Kirchenarchäologen Dr. Guido Faccani Schicht für Schicht per Hand freigelegt. Es wurde rund 4 Meter tief gegraben, an manchen Stellen sogar bis zu 7 Meter tief.

Sie untersuchten 5.000m³ Erde und haben rund eine halbe Million Funde geborgen. Der Verputz der Wände wurde abgenommen, alte Einbauten entfernt und die Seitenschiffe wieder geöffnet. Mehr als 500.000 Fundstücke aus allen Epochen wurden gesichert. Sie reichen von römischen Haarnadeln, mittelalterlichen Münzen und frühneuzeitlichen Ohrenkratzern bis hin zu einem filigranen Memento Mori, einem Christuskopf, der einst Teil eines Rosenkranzes war. Eine Brille und Schneiderwerkzeug sind ebenso dabei wie ein alter Fahrradschlauch. Sie alle sind Zeugen eines lebendigen Ortes mitten in der Stadt von der Römerzeit bis heute.

Dabei kamen Sie zu faszinierenden Erkenntnissen. Sie fanden die römischen Mauern, auf denen St. Johannis steht und Reste Säulen. Das erste Taufhaus in Mainz und eine alte Krypta unter dem gotischen Westchor wurden freigelegt. Wände aus dem 10 Jahrhundert sind nun bis zu 10 Meter hoch sichtbar. 2019 lieferte der Sarkophag von Erzbischof Erkanbald das entscheidende Puzzelstück im Rätsel um den Alten Dom.

An vielen Stellen sieht man in der Kirche eine schwarze Linie. Auf dieser Höhe befand sich das Fußbodenniveau bis 2013. Heute erleben Sie die Dimensionen des Raumes so wie die Gläubigen im Jahr 1000.

Die Grabung wurde 2025 beendet, die Arbeit an der wissenschaftlichen Auswertung der Funde hat gerade erst begonnen. 

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Grabungen finden Sie in diesem wissenschaftlichen Artikel von Dr. Guido Faccani (2022). Artikel