(English version below)
Zwölf Jahre lang wurde im Alten Dom St. Johannis gegraben, dokumentiert und geforscht. Die neue Dauerausstellung „SCHICHTARBEIT – Archäolog*innen im Alten Dom St. Johannis 2017–2025“ rückt nun nicht die spektakulären Funde, sondern die Menschen in den Mittelpunkt, die sie ans Licht gebracht haben. Ab dem 13. Juni 2026 präsentiert der Fotograf Gerhard Fleischer eindrucksvolle Einblicke in den Alltag einer der bedeutendsten archäologischen Untersuchungen in Mainz.
Schicht für Schicht
Zwischen 2013 und 2025 erforschte ein Team von zeitweise mehr als 25 Archäologinnen und Archäologen die Geschichte des Alten Doms. Schicht für Schicht legten sie rund 2.000 Jahre Baugeschichte und etwa 1.500 Jahre Glaubensgeschichte frei. Dabei kamen römische Mauern, mittelalterliche Baustrukturen, Gräber sowie zahlreiche Zeugnisse aus der jüngeren Stadtgeschichte zum Vorschein.
„In dem Wort ‚Geschichte‘ steckt schon der Begriff ‚Schichten‘“, sagt Dr. Birgit Pfeiffer, Vorsitzende des Freundeskreises Alter Dom St. Johannis und Präses der EKHN. „Mit den wunderbaren Fotos von Gerhard Fleischer wird sichtbar, wie die Archäologie Schicht für Schicht in die Vergangenheit des Alten Domes vorgestoßen ist und dabei immer auch Darüberliegendes zerstören musste, um Tieferliegendes zu erforschen.“
Die Dimension der Grabung ist außergewöhnlich: Rund 5.000 Kubikmeter Erdreich wurden untersucht, mehr als 500.000 Fundstücke geborgen und dokumentiert. Zu den Funden zählen römische Haarnadeln, mittelalterliche Münzen, frühneuzeitliche Gebrauchsgegenstände und ein filigraner Christuskopf aus einem Rosenkranz. Ebenso erzählen scheinbar unscheinbare Objekte wie eine Brille oder ein alter Fahrradschlauch von einem Ort, der das Leben der Stadt über Jahrhunderte geprägt hat.
Presslufthammer und Pinsel
Seit 2017 begleitet Gerhard Fleischer die Arbeiten mit seiner Kamera. Der ehemalige ZDF-Chefkameramann richtet seinen Blick vor allem auf die Menschen hinter der Forschung. Seine Fotografien zeigen Archäologinnen und Archäologen bei körperlich anspruchsvoller Grabungsarbeit ebenso wie bei hochkonzentrierten Dokumentationsaufgaben. Presslufthammer und Pinsel, schwere Maschinen und millimetergenaue Präzision prägen den Arbeitsalltag gleichermaßen.
„Als mir im Jahr 2017 über den Freundeskreis angeboten wurde, die Ausgrabungen zu begleiten, wusste ich noch nicht, welchen Umfang dieses Projekt haben würde“, erinnert sich Fleischer. „Es wurde zeitaufwändiger als gedacht und für mich als archäologischen Laien hochinteressant und spannend.“ Besonders prägend sei für ihn die Zusammenarbeit mit dem Grabungsteam gewesen: „Sehr geholfen hat die Akzeptanz der Archäologen und ihre große Hilfsbereitschaft, mir Details und Hintergründe zu erklären und ihre Fachkenntnisse zu vermitteln.“
Licht und Staub
Fleischer arbeitet ausschließlich mit dem vorhandenen Licht im Kirchenraum. Tageslicht, Arbeitslampen, Staub und Schatten verleihen den Aufnahmen eine besondere Atmosphäre. So wird auch der Alte Dom selbst zu einem zentralen Protagonisten der Bildserie – ein Raum, der sich mit jeder freigelegten Schicht verändert. „Beeindruckt war ich immer von den meist stillen und hochkonzentrierten Arbeiten. Einige der Bilder zeigen diese Situationen“, sagt Fleischer. „In den Jahren der Ausgrabung hat sich der Innenraum der Kirche vollkommen verändert. Die Öffnung der Seitenschiffe und das jetzt sichtbare, so komplexe Mauerwerk vermitteln Größe und Wärme.“
Die Ausstellung dokumentiert nicht nur die Ergebnisse einer außergewöhnlichen Grabung, sondern würdigt zugleich die Geduld, Aufmerksamkeit und Expertise der Menschen, die Geschichte sichtbar machen. „Durch die Fotografien von Gerhard Fleischer bekommt Forschung ein Gesicht: Menschen machen sich an die Arbeit und bringen Licht ins Dunkel der Vergangenheit“, sagt Dekan Andreas Klodt. „Die intensiven Aufnahmen rücken die unterschiedlichen Menschen der Grabungs-Équipe in den Mittelpunkt und fangen ihre Mühe und ihre Freude, ihr Nachdenken und ihre Begeisterung ein.“
Zur Person
Gerhard Fleischer studierte Fotografie an der Fachhochschule Köln. Von 1981 bis 2013 arbeitete er als Kameramann beim ZDF in Mainz, insbesondere für Reportagen, Dokumentationen und fiktionale Produktionen. Er war Mitglied des Prüfungsausschusses der IHK Rheinhessen, Jurymitglied des Deutschen Kamerapreises und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh).
Seit 2013 widmet er sich verstärkt der künstlerischen Fotografie. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf Landschaften, Stillleben und Menschen bei der Arbeit. Zu seinen Langzeitprojekten zählen die fotografische Gegenüberstellung historischer Rheinlandschaften von August Sander mit heutigen Ansichten sowie die Dokumentation der Ausgrabungen im Alten Dom St. Johannis, die er seit 2017 begleitet.
Die Ausstellung ist eine Kooperation des Evangelischen Dekanat Mainz und des Freundeskreises Alter Dom St. Johannis.
Infos
SCHICHTARBEIT – Archäolog*innen im Alten Dom St. Johannis 2017–2025
Ab 13. Juni 2026
Alter Dom St. Johannis, Eingang Ost (Schöfferstraße), Mainz
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist während der Zeiten der Offenen Kirche zu besichtigen.
Samstag: 11.30 bis 15.30 Uhr
Sonntag: 15.00 bis 17.00 Uhr
Information in English
New permanent exhibition “SCHICHTARBEIT (layers uncovered)” highlights the people behind the major archaeological excavation at the Old Cathedral of St. John in Mainz.
For twelve years, archaeologists excavated, documented, and researched the Old Cathedral of St. John in Mainz. Now, a new photography exhibition shifts the focus away from the spectacular discoveries and onto the people who brought them to light. Under the title “SCHICHTARBEIT – Archaeologists at the Old Cathedral of St. John 2017–2025,” photographer Gerhard Fleischer presents compelling images from the daily work of one of Mainz’s most significant archaeological investigations
Between 2013 and 2025, a team of more than 25 archaeologists, led by Dr. Guido Faccani, explored the history of the Old Cathedral. Layer by layer, they uncovered approximately 2,000 years of history. Their work revealed Roman walls, medieval building structures, graves, and numerous traces of more recent urban history.
Impressive scale of excavation
The scale of the excavation is impressive: around 5,000 cubic meters of soil were examined, and more than 500,000 artifacts were recovered and documented. The finds include Roman hairpins, medieval coins, early modern household items, a delicate Christ figure from a rosary, as well as everyday objects such as eyeglasses and an old bicycle inner tube. Together, they tell the story of a place that has shaped the life of the city for centuries.
People behind the research
Since 2017, photographer Gerhard Fleischer has accompanied the excavation with his camera. He is primarily interested in the people behind the research. His photographs portray archaeologists engaged in physically demanding labour as well as in highly concentrated documentation work. Pneumatic drills and paintbrushes, heavy machinery and millimetre-precise craftsmanship are all equally characteristic of daily life on the excavation site.
Natural light and dust
Fleischer works exclusively with the available light inside the church. Daylight, work lamps, shadows, and dust create a distinctive atmosphere in the photographs - thus the Old Cathedral itself becomes a protagonist of the series: a space that changes with every layer uncovered. The exhibition not only documents the results of an extraordinary excavation but also honours the patience and expertise of the people who make history visible.
The exhibition is organized by the Friends Association of the Old Cathedral of St. John and the Protestant Deanery of Mainz (Evangelisches Dekanat Mainz).
About the Photographer
Gerhard Fleischer studied photography at Cologne University of Applied Sciences. From 1981 to 2013, he worked as a cameraman for ZDF in Mainz, one of Germany’s major TV-stations, primarily on reports, documentaries, and fictional productions. He was a member of the examination board of the Rheinhessen Chamber of Industry and Commerce (IHK), served on the jury of the German Camera Award, and is a member of the German Photographic Society (DGPh).
Since 2013, he has once again devoted himself primarily to artistic photography. His work focuses on landscapes, still lifes, and people at work. His long-term projects include a photographic comparison of historical Rhine landscapes documented by August Sander with present-day views, as well as the documentation of the excavations at the Old Cathedral of St. John in Mainz, which he has been accompanying since 2017.
Opening Hours
The new permanent exhibition will be on display from June 13, 2026, at the Old Cathedral of St. John (East Entrance, Schöfferstraße) during the church’s opening hours: Saturdays from 11:30 a.m. to 3:30 p.m. and Sundays from 3:00 p.m. to 5:00 p.m. Free entry.