"Das Leben bewusst nutzen" - neue Ausstellung im Alten Dom

veröffentlicht 11.05.2026, Alter Dom St. Johannis

Vom 10. Mai bis 18. November 2026 zeigt Madeleine Dietz ihre Ausstellung „Anwesend – Abwesend“ im Alten Dom St. Johannis in Mainz. Die Arbeiten beschäftigen sich vor allem mit Erinnerung und Vergänglichkeit. Erde, Stahl, Licht und Sprache verbindet sie mit dem besonderen Ort und möchte zum Weiterdenken anregen über das eigene Leben. Zum Aufbau sprach die Künstlerin über ihre Werke und Fragen, die Menschen seit Jahrhunderten bewegen.

Frau Dietz, was hat Sie am Alten Dom St. Johannis in Mainz besonders angesprochen?
Dieser Ort hat mich schon vor einigen Jahren berührt, als Ausgrabungsort und Kirche. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen hier über Jahrhunderte gebetet, gefeiert oder auch Abschied genommen haben, spürt man eine besondere Atmosphäre. 
Wie entstand die Idee zur Ausstellung „Anwesend – Abwesend“?
Die Fragen nach Leben und Tod, nach Ewigkeit und Erinnerung beschäftigen mich schon seit über 40 Jahren in meiner künstlerischen Tätigkeit. Im Alten Dom wollte ich diese Fragen bewusst auch mit den Gräbern hier verbinden. 
Weshalb kreisen viele Ihrer Werke um Abschied und Vergänglichkeit? 
Geboren werden, sterben und die Zeit dazwischen sind die großen Themen der Menschheit. Alles hat seine Zeit, auch das Abschiednehmen: zu erkennen, dass man jemanden dann nichts mehr fragen kann und manches womöglich ungeklärt bleibt. Doch wenn wir um einen Menschen trauern, zeigt das auch, wie wertvoll dieser für uns war.
Mit welchen Materialien arbeiten Sie vor allem?
Eine besondere Rolle spielen Erde, Stahl, Licht und Schrift. Vor allem Erde ist für mich etwas sehr Elementares. Wir leben von ihr, essen und trinken, was aus ihr hervorgeht, und kehren am Ende wieder zur Erde zurück. Für die Ausstellung habe ich Erde aus der Pfalz, meiner Heimatregion, nach Mainz mitgebracht. Auch Licht ist für meine Arbeiten ganz entscheidend, weil es gut tut.
Was sind die Herzstücke der Ausstellung in Mainz?
Grababdeckungen aus königblauem Stoff wurden eigens für die Ausstellung im Alten Dom mit Digitaldruck angefertigt. Sie tragen Fragen und kurze Sätze, die zum Nachdenken anregen sollen. Mir war wichtig, dass die gezeigten Objekte Raum für eigene Gedanken lassen.
Wer sich umschaut, trifft auf Sätze wie „Gibt es ein Wiedersehen“. Warum? 
Ich möchte bewusst Dinge nur skizzieren, doch keine fertigen Antworten vorgeben. Viel wichtiger sind doch die Gedanken, die vielen in bestimmten Situationen durch den Kopf gehen, etwa auf dem Friedhof. Manche Fragen stellen sich Menschen überall auf der Welt, unabhängig davon, ob sie christlich, muslimisch, jüdisch oder buddhistisch geprägt sind. Mein Wunsch ist, dass die Gäste sich Zeit nehmen und in Ruhe umschauen. Vielleicht bleiben sie an Worten hängen, etwa „Dein Plan für das Paradies“ und denken über ihr Leben nach. 
Was hat Sie persönlich geprägt?
Schon früh in meinem Leben musste ich mich mit Abschied und Verlust beschäftigen. Das hat mich geprägt und wurde auch ein Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeiten, auch in Kliniken oder im Hospiz. Ich würde mich als christlichen Menschen bezeichnen. Der Glaube hat mir geholfen, Höhen und Tiefen gut zu bewältigen, mal mehr, mal weniger.
Was möchten Sie den Betrachtenden gern mitgeben?
Vielleicht den Gedanken, das Leben bewusst zu nutzen. Dinge nicht aufzuschieben und das Glas nicht halb leer, sondern öfter halb voll zu sehen. Ich bin selbst unglaublich dankbar: für drei erwachsene Kinder, einen Enkel und meinen Mann, mit dem ich seit über 50 Jahren verheiratet bin und der mich als Ingenieur auch beim Aufbau der Ausstellung unterstützt hat.